30. April 2026

Jahresbericht 2025 der TelefonSeelsorge Saar: Einsamkeit bleibt häufigstes Thema


Einsamkeit bleibt das bestimmende Thema der Anruferinnen und Anrufer bei der Evangelisch-katholischen TelefonSeelsorge (TS) Saar. Bei fast einem Drittel (29,9 Prozent) aller Gespräche war Einsamkeit der Anlass für einen Anruf. Auf den Plätzen zwei, drei und vier bei den Gesprächsanlässen liegen Familienprobleme (15,4 Prozent), Depression (14,9 Prozent) und Ängste (13,8 Prozent). Das geht aus dem Jahresbericht für das Jahr 2025 hervor, den die TS Saar jetzt vorgestellt hat. Träger der Beratungsstelle, die im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, sind das Bistum Trier und der Evangelische Kirchenkreis an der Saar.

Insgesamt klingelte das Telefon im Vorjahr 10.351‑mal, in 8.465 Fällen führten die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Seelsorge- oder Beratungsgespräche. Die Gespräche dauerten im Durchschnitt etwa 22 Minuten.  Damit blieb das Anrufvolumen auf hohem Niveau im Vergleich zum Vorjahr konstant. „Mit dem, was wir derzeit personell leisten können, stoßen wir hier an eine Grenze. Der Bedarf ist jedoch höher“, sagt der katholische Leiter der TelefonSeelsorge Saar, Diplom-Psychologe Ulrich Monzel. Knapp zwei Drittel der Anrufenden waren Frauen, mehr als die Hälfte älter als 50 Jahre. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass der Anteil jüngerer Anrufender leicht gestiegen ist.  

„60 Prozent der Menschen, die uns kontaktieren, leben allein“, sieht Monzel einen Grund darin, dass das Thema seit Jahren häufigster Beratungsanlass ist. „Einsamkeit ist längst kein individuelles Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Problem der Gesellschaft“, ergänzt der evangelische Leiter, Pfarrer Volker Bier. Trotz digitaler Kommunikationsmöglichkeiten und vielfältiger sozialer Angebote, die scheinbar eine Verbindung zu anderen jederzeit ermöglichen, fühlten sich immer mehr Menschen dauerhaft unverbunden und allein. Vergleichsweise neu unter den Ratsuchenden sei bei älteren Menschen zunehmend das Thema assistierter Suizid, hat Bier beobachtet. Aber auch Probleme des interkulturellen Zusammenlebens verzeichnen die Hauptamtlichen vermehrt. So riefen etwa junge Erwachsene an, die darunter litten, dass ihre aus dem Ausland stammenden Eltern nach wie vor über ihr Leben bestimmen wollen.

Auch im Bereich der Online-Beratung, auf der ein Schwerpunkt des Jahresberichts liegt, verzeichnet die Telefonseelsorge eine Steigerung. Hier gab es insgesamt 553 Beratungskontakte. Das Angebot werde vor allem von Jüngeren genutzt, so ist mehr als die Hälfte (52,4 Prozent) unter 30 Jahren, aber zunehmend auch von Menschen ab 50 Jahren. „Die Generation Ü50 verdrängt nicht die Jüngeren, sondern kommt zusätzlich dazu“, sagt Beraterin Katja Stolle-Spies. Daher sei es gut, dass zehn Ehrenamtliche neu für die Online-Beratung geschult werden konnten, um hier dem Bedarf gerecht zu werden. Nach personellen Engpässen konnte zudem die Chatberatung schrittweise wieder aufgenommen werden – ein Angebot, das vor allem von jungen Menschen genutzt wird. „Wir spüren einen sehr hohen Leidensdruck bei den vielen sehr jungen Menschen, die uns auf diesem Weg kontaktieren“, sagt Beraterin und Psychologin Lisa Schwarz. „Viele Jüngere haben Angst zu telefonieren oder können das Erlebte wie Missbrauch oder Suizidgedanken nicht aussprechen. Ihnen fällt es leichter, sich schriftlich mitzuteilen.“ Während es bei der Telefon-Beratung häufig bei einem Gespräch bleibe, stehen die Berater*innen in der Mail- und Chatberatung häufig über einen längeren Zeitraum mit den Ratsuchenden in Kontakt. Rund ein Drittel der Mailer*innen (34 Prozent) thematisierten Suizid, seien es Gedanken oder bereits konkrete Versuche. Auch mangelnder Selbstwert sei hier ein häufiges Thema. „Das finde ich bei einer so jungen Altersgruppe erschreckend“, sagt Volker Bier. Er wünsche sich im Saarland eine bessere Suizidprävention. „Die effizienteste Vorbeuge ist die mechanische: Wenn man Brücken so absichert, dass ein Zugang unmöglich wird, kann keiner mehr springen.“

Auch die persönliche Beratung vor Ort gewann 2025 weiter an Bedeutung. Mit 335 Gesprächsterminen wurde hier ein Plus von rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Besonders häufig suchten Ratsuchende Unterstützung bei Themen rund um Familie, Partnerschaft und Arbeit. „Hier schlägt uns der Mangel an Therapieplätzen entgegen“, sagt Volker Bier.

Die Gespräche und die Online-Seelsorge führten vor allem die 65 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (53 Frauen, 12 Männer) der Evangelisch-katholischen TelefonSeelsorge Saar. Sie sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr bereit, Menschen in Krisensituationen zuzuhören, sie zu unterstützen, zu trösten und neue Blickwinkel zu öffnen. Neun weitere befinden sich aktuell in Ausbildung. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Leuten für dieses anspruchsvolle, aber sehr sinnstiftende Ehrenamt“, betonen Monzel und Bier. Neue Ehrenamtliche für Telefonseelsorge zu gewinnen, sei eine große Herausforderung. Es sei ihr Wunsch, gerade in den Abendstunden und am Wochenende, wenn besonders viele Leute anrufen, die Schichten doppelt zu besetzen. Denn oft bräuchten die Anrufenden mehrere Anläufe, um zu einem Mitarbeiter durchzukommen. Dafür brauche man jedoch mindestens 80 Ehrenamtliche.

Für Interessierte an der Ausbildung bietet die TelefonSeelsorge Saar unter dem Motto „Komm vorbei im Mai“ eine Infoveranstaltung am Dienstag, 5. Mai, zwischen 17 und 20.30 Uhr an. Dabei besteht die Möglichkeit, unverbindlich mit derzeitigen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen und sich über Chancen und Herausforderungen des besonderen Ehrenamts auszutauschen. Der nächste Ausbildungskurs startet im Januar 2027. Die Ausbildung findet abends und an einzelnen Wochenenden statt und ist kostenfrei. Eine Voranmeldung zum Infoabend ist erforderlich: Mail: bewerbung@telefonseelsorge-saar.de oder Tel. 0681-96869-22 (Anrufbeantworter mit Rückruf). Nähere Informationen werden nach Anmeldung mitgeteilt.

 

Die Telefonseelsorge ist in Deutschland durch über 100 Stellen, bundesweit, 24 Stunden, gebührenfrei und anonym unter der Telefonnummer 0800 111 0 111 erreichbar.   
Bei der Evangelisch-katholischen TelefonSeelsorge Saar engagieren sich 65 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die 24 Stunden, rund um die Uhr seelsorgerliche Gespräche am Telefon anbieten. Für diese Aufgabe werden sie über ein Jahr lang sorgfältig ausgebildet. Hauptamtliche Kräfte begleiten die Beratungen am Telefon, die Mail- und Chat-Beratung. Sie unterstützen die ehrenamtlich Mitarbeitenden und bieten persönliche Gespräche in der Beratungsstelle an.

www.telefonseelorge-saar.de


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