Die Vorläuferbauten der Martinskirche werden in 3D verwirklicht


Die Vorläuferbauten der Martinskirche in 3D

Nicole Kasparek, Dipl. Restauratorin des Landesdenkmalamtes und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Martinskirche, hat die Stiftung auf das Soforthilfeprogramm „Kirchturmdenken. Sakralbauten in ländlichen Räumen“ hingewiesen. Es bietet sich die Möglichkeit, anhand der Grabungspläne der 1950er Jahre die Vorläuferbauten der Martinskirche zu rekonstruieren und in 3D darzustellen.

Es wurde ein Arbeitskreis gegründet. Ihm gehören an: der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, Prof. Dr. Joachim Conrad, das Kuratoriumsmitglied Günther Himber, das Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Dipl. Restauratorin Nicole Kasparek, Dipl. Restaurator Niko Leiß, der die neu gefundenen Wandgemälde restauriert hat, und Prof. Klaus Köehler, der zwanzig Jahre die Sanierungen der Kirche begleitete. Der Arbeitskreis tagt seit Mai 2021 alle vierzehn Tage und hat inzwischen noch den aus dem Saarland stammenden Bremer Landeskonservator, Prof. Dr. Georg Skalecki, als korrespondierendes Mitglied gewinnen können. Prof. Skalecki ist Fachmann für frühmittelalterliche Bauten und verfügt über ein Archiv mit 300 Kirchen unserer Region aus der Merowinger- und Karolinger Zeit. Prof. Skalecki wird auch für unser Buch einen Beitrag zum Thema schreiben.

Tatsächlich konnte ermittelt werden, dass die erste Kirche um 700 bereits bestanden hat und aus merowingischer Zeit stammt. Die zweite Kirche ist karolingisch und wurde vor dem Jahr 1000, eher um 900 gebaut. An diese Kirche wurde nach Norden in romanischer Periode um 1200 eine Nebenkapelle angebaut; sie diente vermutlich als Bruderschaftskapelle und hatte einen eigenen Altar.

Nach Übernahme der Kirche durch die Abtei Wadgassen wurde ein polygonaler Chor gebaut, dessen Gewölbe mit einem Schlussstein für sechs Rippen vollendet wurde. Dieses Gewölbe ist eingestürzt und wurde durch ein Gewölbe mit zwei Schlusssteinen ersetzt; das ist das heutige Gewölbe. Als Grund für den Einsturz sieht die Forschungsgruppe den Bau des Turms um 1365 an. Die Mehrzahl der Hölzer im Turm stammt aus dem Jahr 1365. Der Turm brachte Spannungen in den Chor, was zum Einsturz führte.

Um 1392 wurde die Kirche nach Westen verlängert; der Grund ist unklar. Die romanische Seitenkapelle wurde später zur Kirche zu zugemauert und diente offenbar als Beinhaus, bis die Reformation die Beinhäuser verbot. 1521 kam das heutige gotische Gewölbe. Der Gewölbeschub drückte auf Nord- und Südmauer. Die Nordmauer wurde durch die romanische Nebenkapelle gehalten; die Südmauer wurde erst verdickt und dann mit Strebepfeilern versehen. Womöglich wurde um 1650 nur der Inhalt des Beinhauses vergraben, noch im Dreißigjährigen Krieg werden drei Portale der Martinskirche erwähnt, und das dritte ist wohl das Tor der Seitenkapelle.

Die 3D-Rekonstruktion wird durch den Bund finanziert und hat ein Finanzvolumen von 10.000,00 €. Sie wird im Internet, aber auch im geplanten Buch zur 800-Jahr-Feier Verwendung finden.





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