19. Januar 2021

„Online geistlich mitgenommen und verbunden“ - Saarländische Delegierte ziehen Resümee zur Landessynode


Vom 11. bis 15. Januar fand die diesjährige Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) statt - corona-bedingt rein digital. Das Experiment hat funktioniert, finden die saarländischen Delegierten. Es wurde erfolgreich ein neuer Präses gewählt. Aber es kamen auch Dinge zu kurz.

„Wirklich sehr vermisst habe ich das persönliche Zusammensein mit vertraut gewordenen und neuen Synodalen, vor allem aber mit den Synodalen aus dem Saarland“, fasst Johannes Schmidt-Drewniok, Delegierter des Kirchenkreises Saar-West, seinen Eindruck von der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) zusammen.

Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Synode erstmals vollständig in digitaler Form statt. Ein Experiment, aber eines, das trotz einzelner Schwierigkeiten Anklang bei den saarländischen Delegierten fand.

„Trotz aller Widrigkeiten war es dank guter inhaltlicher und technischer Vorbereitung eine Synode mit konzentrierten und ernsthaften Debatten. In gewisser Weise mag dieser andere synodale Raum sogar neue Sichtweisen ermöglicht haben“, beurteilt Ulrich Commerçon die ungewohnte Tagungsform. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im saarländischen Landtag ist berufenes Mitglied der Landessynode.

Eine ähnliche Erfahrung hat Uwe Schmidt gemacht. Für den Pfarrer aus Neunkirchen waren die digitalen Gottesdienste und Andachten im Rahmen der Synode eine besonders interessante Erfahrung. „Ich habe versucht, bewusst den Gottesdienst zu Beginn der Synode sowie die Andachten am PC „mitzufeiern“. Das ist durchaus gelungen! Ich habe mich online geistlichmitgenommen und verbunden gefühlt.“

Dr. Thorsten Latzel wird neuer Präses

Im Mittelpunkt der Tagung vom 11. bis 15. Januar standen die Wahlen zur Kirchenleitung. Mit Dr. Thorsten Latzel (50), dem bisherigen Leiter der Evangelischen Akademie Frankfurt, wurde erstmals ein auswärtiger Theologe zum leitenden Geistlichen der EKiR gewählt. Er setzte sich überraschend im ersten Wahlgang mit 113 von 190 Stimmen deutlich gegen Superintendentin Almut van Niekerk (St. Augustin) und Prof. Reiner Knieling durch.

Die Wahl wird aus saarländischer Sicht mit positiven Erwartungen verknüpft. „Ich habe die Hoffnung, dass mit Thorsten Latzel neuer Schwung in die Kirchenleitung einkehrt und es in unserer Kirche neue Aufbrüche gibt,“, freut sich Schmidt über die Wahl Latzels. So wolle der neue Präses insbesondere die Altersgruppe der 20- bis 40-jährigen stärker als bisher in den Blick nehmen.

Neben dem Ergebnis bewerten die saarländischen Delegierten auch das Verfahren der Präseswahl. Schon im Vorfeld gab es Videos von Probe-Andachten und Interviews mit allen Kandidierenden. „Wir wurden gut und umfassend informiert und konnten Demokratie leben - mit ermutigenden Ergebnissen“, betont Commerçon. Außerdem habe sich das digitale Wahlverfahren als schnell und effizient erwiesen. „Ich würde mich freuen, wenn wir es schaffen, das Wahlverfahren aus der digitalen Synode mitzunehmen“, hofft Wiebke Kopmeier, Synodale aus Sulzbach-Altenwald.

Weniger Finanzen

Die Landeskirche wird in den kommenden Jahren mit weniger Finanzen auskommen müssen. Durch corona-bedingte Kirchensteuermindereinahmen von 12,5 Prozent gibt es nach derzeitigen Planungen ein Defizit von 7,5 Millionen Euro im Haushalt 2021, das durch Rücklagen ausgeglichen werden muss. Das hat Auswirkungen auf die Finanzen auf allen Ebenen.

So wurde beschlossen, dass die Kirchliche Hochschule der Evangelischen Kirchen im Rheinland und von Westfalen künftig nur noch am Standort Wuppertal erhalten bleibt. Die Kooperation mit den Von Bodelschwinghschen Stiftungen am Standort Bethel wird dagegen aufgegeben.

Mehr Nachhaltigkeit und Impulse zur Kirchenentwicklung

Nicht nur der Kostenreduktion dienen weitreichende Beschlüsse in Sachen Nachhaltigkeit. So soll ein Gesetz erarbeitet werden, um künftig auf allen Ebenen ein einheitliches Energiecontrolling und einen Katalog mit Mindestanforderungen für Gebäude-Energieberichte einzuführen. Mittelfristiges Ziel ist es, bis 2025 die Höhe der Treibhausemissionen zu halbieren. „Die Landeskirche nimmt sich damit den Herausforderungen des Klimawandels an und stellt den Kirchengemeinden einfach handhabbare Instrumente zur Verfügung“, freut sich Christian Weyer, Superintendent des Kirchenkreises Saar-West.

Die Landessynode verabschiedete außerdem drei Impulspapiere, die zukunftsweisende Leitlinien für die Kirchenentwicklung sein sollen. „Die Impulspapiere nehmen die Situation als Kirche mit schwindenden Ressourcen ernst“, bewertet Weyer den Prozess. Sie machten aber auch Mut, neue Wege zu gehen. Das gehe aber nicht ohne drastische Veränderungen, betont Weyer: „Bisherige Selbstverständlichkeiten wie das Steuerprivileg, der Beamtenstatuts der Pfarrerinnen und Pfarrer und die Ortsgemeinde als einzige Gemeindeform werden dabei radikal infrage gestellt.“ An diesen Ansätzen werde in den nächsten Jahren gearbeitet.

Superintendent Markus Karsch von Kirchenkreis Saar-Ost zeigte sich dennoch etwas enttäuscht. „Wir haben für mein Empfinden zu wenig über Inhalte diskutiert, uns zu wenig zu unterschiedlichen Meinungen auseinandergesetzt, zu wenig gerungen“, bedauert er. Für die die nächsten Synoden wünscht er sich mehr Raum für Kontroversen und eine intensivere Themenarbeit.

Im weiteren Verlauf der Tagung wurden außerdem die Delegierten zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt Aus saarländischer Sicht erfreulich: Mit Christian Weyer und Rieke Eulenstein sind weiterhin zwei Personen aus dem Saarland in der zehnköpfigen rheinischen Delegation vertreten. Markus Karsch wurde neu auf einen Stellvertreterplatz gewählt.

Im kommenden Jahr soll die Landessynode dann wieder in Präsenzform am traditionellen Tagungsort in Bad Neuenahr zusammenkommen. „Ganz ohne persönliche Begegnung geht es nicht, davon lebt die Synode“, betont Wiebke Kopmeier. Darin ist sich die saarländische Delegation einig.

 

 

Hintergrund:

Die Mehrzahl der evangelischen Kirchengemeinden im Saarland gehört zur Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) mit Sitz in Düsseldorf. Diese umfasst das Gebiet der nach 1815 gebildeten preußischen Rheinprovinz, die sich heute über Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland erstreckt.
Zur Evangelischen Kirche im Rheinland gehören die Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West des Kirchenkreisverbands An der Saar, sechs Kirchengemeinden des Kirchenkreises Obere Nahe im Nordsaarland sowie eine weitere, die zum Kirchenkreis Trier gehört.

Die Landessynode ist das oberste Leitungsgremium der EKiR. Ihr gehören 206 stimmberechtigte Mitglieder an. Die Synode trifft wesentliche Entscheidungen für die EKiR, nimmt Stellung zu theologischen und gesellschaftlichen Fragen, entscheidet über Kirchengesetze und Haushalt.
Zurzeit stammen elf Delegierte der Landessynode aus dem Saarland.





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